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21.5.2012 : 15:02 : +0200

Ein Glücksfall für die Stadt

Im Kreise zahlreicher ehemaliger Mitstreiter wurde der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des Förderkreises, Dietmar Kordowich (4. v. r.) zum Ehrenvorsitzenden von „gerolzhofenAKTIV“ ernannt (v. l.): Beate Glotzmann (Leiterin der Tourist-Information), Jürgen Fehlbaum, Bürgermeisterin Irmgard Krammer, Helmut Wächter, Rudi Kühl (Vorsitzender von „gerolzhofenAKTIV“), Elisabeth Orth, Werner Iff, Marie Strauß (ehemalige Gerolzhöfer Weinprinzessin) und Bruno Steger (ehemaliger „Markgraf Gerold“)

Dietmar Kordowich zum Ehrenvorsitzenden von gerolzhofenAKTIV ernannt

Beate Glotzmann, die Leiterin der Tourist-Information, bringt es auf den Punkt: „Du bist eine schillernde Persönlichkeit, schillernd wie der Wein in unserem Glas.“ Gemeint ist Dietmar Kordowich, wohl den meisten noch besser als „Diko“ bekannt. gerolzhofenAKTIV, wie sich der einst von Kordowich mit ins Leben gerufene Förderkreis Gerolzhofen und Umland heute nennt, hat seinen langjährigen Vorsitzenden nun zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Rosafarbenes Hemd, darüber ein glitzerndes, dunkelblaues Sakko. Ganz wie man ihn kennt, sitzt Dietmar Kordowich im Gewölbekeller der Familie Schuchbauer und genießt diesen Abend mit einem Glas Rotling in der Hand sichtlich. Denn es ist sein Tag. „Dein Abend, den du niemals vergisst“, wie es Sopranistin Heike Gündisch, die die kleine Feierstunde im engsten Freundeskreis musikalisch gestaltet, in einem ihrer Lieder singt.

Gründung vor fast 34 Jahren

Eingeladen hat gerolzhofenAKTIV. Vor fast genau 34 Jahren, am 1. November 1974, hat Kordowich diesen Förderverein für die Wirtschaft und die Gastronomie der Steigerwaldstadt mit 16 Mitstreitern gegründet. Einer davon war Werner Iff. „Anfang der 70er Jahre herrschte in Geo Weltuntergangsstimmung“, erinnert sich der Geschäftsmann. Die Gebietsreform hatte der Kleinstadt vieles genommen. Der Landkreis Gerolzhofen wurde zerschlagen, Behörden und ihre Mitarbeiter zogen ab. „Wir dachten, wir könnten die Zukunft hier nicht mehr meistern“, so Iff weiter. Den Einzelhändlern, Gastronomen und auch der Stadtverwaltung wurde klar, dass Zusammenhalt und Innovation gefordert waren. Doch, so Iff, „wir brauchten einen Kopf.“ Den fand man in Dietmar Kordowich, und der sei die Sache unkonventionell angegangen.

Eine der ersten Initiativen, die der anstelle des Gewerbeverbandes gegründete Förderkreis Gerolzhofen und Umgebung auf den Weg brachte, war das Gerolzhöfer Weinfest. „Für mich war das ein Schlüsselerlebnis“, sagt Jürgen Fehlbaum. Und er erinnert sich noch gut an die Premiere an Fronleichnam 1975: „Es war ein heißer Tag, und wir hatten den Marktplatz proppenvoll.“

Nach dem strapaziösen Fest habe sich Kordowich beim Großreinemachen in der Rüstkammer auf einem Tisch zur Ruhe gebettet, kramt Fehlbaum in der Kiste mit den Anekdoten und frotzelt: „Da wurde er nicht mehr großer Vorsitzender, sondern großer Vorliegender genannt.“

Doch nicht alles lief beim Weinfest so glatt wie letztlich die Premiere. Als Kordowich in wochenlangen Gesprächen die Marktplatz-Anlieger überzeugen und schließlich die Giebelbeleuchtung als neue Attraktion präsentieren konnte, blieb ausgerechnet das Alte Rathaus dunkel. Der damalige Bürgermeister Franz Kreppel hatte sich strikt gegen „solche Volksfest-Glühbirnen“ ausgesprochen.

Viele Feste waren verregnet

Auch das Wetter meinte es, die Premiere ausgenommen, in den Anfangsjahren nicht gut mit der Schoppenfete. „Weinfest“, so der gerolzhofenAKTIV-Vorsitzende Rudi Kühl, „klang für Petrus wohl wie die Aufforderung: Wein' fest!“ Viele Feste waren verregnet, und der Förderkreis, so erinnert sich Kühl, wäre fast daran zugrunde gegangen.

Doch ein weiterer Schachzug Kordowichs, die Verlegung des Festes in den Juli, sollte sich als Glücksgriff erweisen. Mit der von ihm gegründeten Bacchus-Bruderschaft gelang es „Diko“, Prominenz wie Carolin Reiber, Dieter-Thomas Heck, Max Merkel, Toni Marschall oder Prof. Bernhard Grzimek zum Fest in die Steigerwaldstadt zu bringen.

Das Weinfest war jedoch nur ein Baustein in dem Konstrukt, mit dem Kordowich die Attraktivität Gerolzhofens nach dem Verlust des Kreisstadt-Status untermauerte. In den mehr als drei Jahrzehnten unter seinem Vorsitz brachte der Förderkreis zudem das Frühlingsfest auf den Weg und machte aus der einstigen Kirchweih mit Mantelsonntag das Herbstfest. Ein besonderes Anliegen, so Kühl, waren Kordowich die Aktionen im Advent. Er nennt etwa die Gänseverlosung, das Nikolaustreffen oder den Schaufensterwettbewerb. Helmut Wächter vom BMW-Autohaus überzeugte Kordowich, die Fränkischen Weinköniginnen mit einem Dienstfahrzeug auszustatten. Gerolzhofen blieb so stets im Gespräch und attraktiv. „Besser sein als die anderen“, sei stets das Motto von Kordowich gewesen, erinnert Elisabeth Orth und verspricht als zweite Vorsitzende im Namen von gerolzhofenAKTIV: „Wir werden weiter nach diesem Grundsatz handeln.“

Werbetrommel gerührt

Und noch etwas möchte Bürgermeisterin Irmgard Krammer nicht vergessen wissen. Nämlich, dass Kordowich seit Jahren in das Gewand des Weingott Bacchus schlüpft und so die Werbetrommel für das Gerolzhöfer Land und seine Weine rührt. Es sei ein Glücksfall gewesen, 1974 jemanden für die Stadt gewonnen zu haben, der vor Ideen sprühte, meint Krammer und bittet: „Inspiriere uns auch in Zukunft mit deinen Ideen.“

Kordowich nickt. Den Bacchus werde er auch weiterhin geben, verspricht er. Dann empfängt er aus den Händen von Rudi Kühl, der ihn im April nach mehr als 30 Jahren an der Spitze von gerolzhofenAKTIV beerbte, eine Urkunde, die ihn zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit macht. Dazu gibt es einen Gutschein für ein Wochenende im Bayerischen Wald. „Ich bin überwältigt“, sagt Kordowich sichtlich gerührt. Dann schmunzelt er und meint: „Jetzt ist es aber fertig. Sonst kommt noch die Heiligsprechung.“

(Quelle: Mainpost)